Problem, Notfall oder Krise. Drei Situationen. Drei Managementformen.
- Andy Mühlheim

- 22. Juli
- 3 Min. Lesezeit
Unternehmen vermischen häufig Problem, Notfall und Krise und damit auch Problemmanagement, Notfallmanagement und Krisenmanagement.
Das Ergebnis: Man wendet die falsche Methode auf die falsche Situation an.
Probleme werden gelöst, auf Notfälle wird reagiert und Krisen erfordern Führung.
Problem, Notfall und Krise unterscheiden sich nicht primär in ihrer Schwere, sondern in ihrer Charakteristik. Unterscheidet sich die Charakteristik grundlegend, muss sich zwangsläufig auch die Art unterscheiden, wie die Situation bewältigt wird.
In vielen Unternehmen und oft auch von Beratungsfirmen werden die Begriffe Problem, Notfall und Krise nahezu beliebig verwendet und ausgetauscht. Dabei stehen diese Begriffe für unterschiedliche Situationen, auch wenn sie nahe beieinander liegen. Heikel wird es, wenn aus diesem sprachlichen Durcheinander die falsche Managementlogik abgeleitet wird.
Nicht jede schwierige Situation ist ein Notfall. Und nicht jedes grössere Problem ist eine Krise.
Es lohnt sich deshalb die Begriffe Problem, Notfall und Krise sowie Problemmanagement, Notfallmanagement und Krisenmanagement voneinander zu unterscheiden.
Wie lässt sich eine bestimmte Situation einordnen?
Zwei Fragen genügen:
Ist der Lösungsweg in der Organisation grundsätzlich bekannt?
Reichen die regulären Prozesse und Mittel der Organisation voraussichtlich aus?
Daraus ergeben sich vier Charakteristiken:
Aufgabe: Bei einer Aufgabe ist der Lösungsweg bekannt und die regulär vorhandenen Mittel reichen aus, um die Tätigkeit auszuführen.
Problem: Bei einem Problem kennt die Organisation den Lösungsweg noch nicht. Die vorhandenen Mittel und Prozesse reichen jedoch aus, um diesen zu entwickeln.
Notfall: Bei einem Notfall reichen die regulären Mittel und Prozesse für die Bewältigung der Situation nicht mehr aus. Es müssen zusätzliche Mittel, Prozesse oder Fähigkeiten von ausserhalb des regulären Rahmens zugeführt werden. Das Vorgehen selbst ist jedoch grundsätzlich bekannt, vorbereitet und in der Regel auch geübt.
Krise: In einer Krise reichen die regulären Mittel und Prozesse für die Bewältigung der Situation nicht mehr aus. Es müssen zusätzliche Mittel, Prozesse oder Fähigkeiten von ausserhalb des regulären Rahmens zugeführt werden. Gleichzeitig ist auch der Lösungsweg noch unklar, da die Situation zuerst ganzheitlich verstanden werden muss.
Wichtig dabei: Nicht das Ereignis allein bestimmt die Managementlogik, sondern die Beziehung zwischen Situation und Organisation.
Und was für die eine Organisation ein Problem ist, ist für die andere Tagesgeschäft. Was für das eine Unternehmen eine Krise ist, bleibt für das andere ein Problem.
Ein Ereignis kann in einer Organisation gleichzeitig auf unterschiedlichen Ebenen mehrere Managementlogiken auslösen.
So kann ein Cybervorfall auf Ebene der IT einen Notfall auslösen, auf den mit vorbereiteten Notfallmassnahmen reagiert wird. Gleichzeitig können die daraus entstehenden Auswirkungen auf Ebene des Unternehmens eine Krise auslösen, die einen Krisenmanagementprozess und strategische Führung erfordert.
Drei Managementformen. Drei Ziele. Drei Methodenwelten.
Problemmanagement entwickelt Lösungen mit dem vorhandenen Wissen und den vorhandenen Ressourcen. Ziel ist es, einen geeigneten Lösungsweg zu finden und das Problem in eine lösbare Aufgabe zu überführen. Typische Methoden: PDCA, DMAIC, Ishikawa, Blue Ocean, 8D, TRIZ.
Notfallmanagement reagiert auf akute Ereignisse und führt ereignisbasiert zusätzliche Fähigkeiten in ein betroffenes System ein. Ziel ist es, Schäden zu begrenzen, die Situation zu stabilisieren und die Handlungsfähigkeit wiederherzustellen. Typische Methoden: FOR-DEC, OODA, Checklisten, Emergency Procedures, Incident Response Playbooks.
Krisenmanagement führt die Organisation, wenn eine Bedrohung ihre Existenz oder ihre wesentlichen Interessen gefährdet und die ordentlichen Prozesse nicht mehr ausreichen. Ziel ist es, die Entscheidungs- und Handlungsfähigkeit wiederherzustellen und die Bedrohung beherrschbar zu machen. Für Krisenmanagement werden häufig militärische Führungsmethoden wie MDMP oder 5+2 herangezogen. Daneben gibt es speziell für unternehmerisches Krisenmanagement entwickelte Methoden wie EARN.
Wer Problem, Notfall und Krise verwechselt, verwechselt zwangsläufig auch die dazugehörigen Managementformen und wendet im Ernstfall die falsche Methode an. Also genau dann, wenn es am meisten darauf ankommt.
Erst wenn klar ist, welche Situation für eine Organisation tatsächlich vorliegt, lässt sich entscheiden, welche Managementlogik erforderlich ist.
EARN: Eine Krisenmanagementmethode, die die Sprache von Unternehmen spricht.
Für Problemmanagement, Notfallmanagement und militärische Führungsarbeit existieren viele etablierte Modelle. Für unternehmerisches Krisenmanagement fehlte aus meiner Sicht jedoch ein eigenständiger methodischer Rahmen, der Entscheidung, Umsetzung und Führung unter Unsicherheit und Druck verbindet.
Aus dieser Beobachtung ist EARN entstanden. EARN schafft für die Dauer einer Krise einen klaren Führungs- und Entscheidungsrahmen, integriert die vorhandenen Fähigkeiten der Organisation und führt sie von einem gemeinsamen Verständnis der Situation über die Entscheidung bis in die koordinierte Umsetzung.
EARN ersetzt dabei weder Problem- noch Notfallmanagement. Die Methode verbindet diese Fähigkeiten dort, wo ihre Ergebnisse auf Unternehmensebene eingeordnet, priorisiert und zu strategischen Entscheidungen verdichtet werden müssen.
Krisenmanagement heisst: Klarheit schaffen. Entscheiden können. Handlungsfähig bleiben.
Desisera befähigt Unternehmen, in Krisen und unter Druck besser zu entscheiden.
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