Notfallteams wissen sofort, was zu tun ist. Der Krisenstab weiss es noch nicht.
- Andy Mühlheim

- 2. Mai
- 2 Min. Lesezeit
Krisenmanagement ist nicht Notfallmanagement.
Vor ein paar Jahren war ich Teilnehmer einer Krisenübung. Ein Cybervorfall hatte gemäss Drehbuch das ganze Unternehmen «offline» genommen.
Die Übung war stark auf das auslösende Ereignis ausgerichtet. Im Zentrum stand die Frage, was der Krisenstab entscheiden muss, damit die IT möglichst rasch wieder verfügbar ist.
Aus meiner Erfahrung als CIO in Industrie und kritischen Infrastrukturen wusste ich: Das greift zu kurz.
Im Austausch mit der Übungsleitung wurde mir klar: Die Ausbildner konzentrieren sich bei Krisenübungen auf die Bewältigung des auslösenden Ereignisses. Der unternehmerische Kontext und die übrigen Stakeholder werden ausgeblendet oder nur am Rand mitgeführt.
Dieses Muster habe ich später auch in anderen Diskussionen wiedererkannt: Krisenmanagement wird häufig mit Notfallmanagement verwechselt.
Bei einem Cybervorfall arbeiten die Notfall- und Fachteams am Ereignis. Systeme isolieren. Schaden begrenzen. Technische Lage klären. Forensische Abklärungen sicherstellen. Systeme bereinigen. Wiederherstellung vorbereiten.
Diese Tätigkeiten sind vorbereitet, getestet und gedrillt. Oder sollten es zumindest sein.
Der Krisenstab arbeitet nicht unmittelbar am Ereignis.
Der Krisenstab führt die Organisation durch die Auswirkungen des Ereignisses und priorisiert die Massnahmen: Betrieb, Kunden, Mitarbeitende, Lieferfähigkeit, Kommunikation, Recht, Reputation, Finanzen.
Genau hier liegt der Unterschied.
Notfallmanagement ist die unmittelbare Reaktion auf ein erkanntes Ereignis. Schnell. Trainiert. Fokussiert. Ziel: Das Ereignis rasch unter Kontrolle bringen. Die Notfallteams haben viel Arbeit, aber sie wissen, was zu tun ist.
Krisenmanagement beginnt dort, wo die unmittelbare Reaktion nicht mehr genügt. Wenn die Auswirkungen auf das Unternehmen nicht mehr nur aus dem Ereignis entstehen, sondern auch aus dessen Folgen.
Der Krisenstab muss erst erfassen, was wie betroffen ist. Entwicklungen antizipieren. Risiken beurteilen. Priorisieren. Optionen bewerten. Fundiert entscheiden. Und gleichzeitig mit operativen Massnahmen dafür sorgen, dass keine weiteren ungünstigen Entwicklungen entstehen.
Natürlich muss auch in einer Krise zeitnah entschieden werden. Der Zeitdruck liegt jedoch primär bei den Notfallteams. Sie verschaffen dem Krisenstab Zeit, besser zu entscheiden.
Willkommen bei Desisera: Unternehmen befähigen, in Krisen und unter Druck besser zu entscheiden.
Klarheit schaffen. Entscheiden können. Handlungsfähig bleiben.
Dieser Beitrag wurde zuerst als LinkedIn-Artikel veröffentlicht. Der begleitende LinkedIn-Post mit der Diskussion ist hier abrufbar.